Herzentscheidungen - hierhin oder dorthin?

Veröffentlicht auf von Schütgens, Angelika (Blaufedermond)

An Weggabelungen ist es nicht leicht zu entscheiden, ob ich nach rechts oder links will. Will ich ins Dorf oder in die Stadt, auf den Gipfel oder ins Tal, ans Meer oder in die Wälder, will ich bleiben oder gehen? Immer wird vom Verstand erwartet, dass er uns sicher macht. Wir suchen nach Argumenten, die uns die Entscheidung erleichtern. Seine Stimme ist so laut, so dominant, dass wir unsere Herzstimme überhören. Er hält uns in unserer Komfortzone und sorgt dafür, dass wir uns nicht mit den Ängsten auseinandersetzen. Er hält uns davon ab, Dinge anzugehen, die schwer erscheinen. Die kleineren, unwesentlichen Entscheidungen treffen wir oft leicht. Trage ich das rote Kleid oder die schwarze Hose? Davon - so glauben wir - hängt nichts ab (was übrigens ein Trugschluss ist, denn die Farben, die wir tragen, wirken). Diese Wahl treffen wir aber meistens unbewusst. Erst wenn wir glauben es könnte etwas davon abhängen - Vorstellungsgespräche, eine erstes Date, eine gesellschaftliche Einladung - beginnen wir uns "einen Kopf zu machen".

Viel besser wäre es bei den großen Entscheidungen auf unser Herz zu hören, der inneren Stimme, der Intuition zu lauschen. Dort aber schrecken wir zurück und folgen lieber den logischen Argumenten. Nicht selten, um Jahre später zu merken, dass wir zu lange in die falsche Richtung gingen. Wir unterdrücken die Impulse die wir bekommen, weil uns Herzentscheidungen oft Angst machen, denn unser Herz führt uns nicht auf die leichten Lebenswege (wenn sie leicht wären, wären wir sie längst gegangen). Herzentscheidungswege sind Wege voller Hindernisse, Wege die Geduld voraussetzen, die das Dranbleiben einfordern, die unser optimales Wachstum ermöglichen können. Wege zu unserer Berufung, Wege zum Glück, zur Harmonie, zum Frieden mit uns selbst, den wir solange nicht finden, wie wir mit "dem-was-ist" im Widerstand leben. Dem leisen Ruf des Herzens zu folgen, erfordert Mut Durststrecken zu gehen, Zeit Entwicklungen abzuwarten, Verzicht zu üben, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Wer nun sagt: "Den Mut habe ich nicht", den würde ich fragen, ob es nicht ebenso viel Mut braucht jeden Morgen in einem Leben aufzuwachen, das man längst nicht mehr leben will. Ein Leben, in dem man nur widerwillig zur Arbeit geht, weil man glaubt, man brauche sie zum Überleben oder ein Leben, in dem der Partner neben uns, uns alles gegeben hat, mit dem wir aber "fertig sind mit ihm und er mit uns ist" und dieses Leben nur noch Gewohnheit, Bequemlichkeit und Sicherheit ist, die uns bei ihm hält. Ist das nicht genauso mutig, als den Schritt ins Neue zu wagen? Mut erfordern beide Wege, aber ist es wirklich sinnvoll beim Alten zu bleiben? Ohne Wachstum, ohne Lebendigkeit, ohne neue Entdeckungen, nur weil es gefahrlos erscheint und wir glauben zu wissen was uns erwartet? "Und ewig grüßt das Murmeltier" - wir glauben zu wissen was kommt. Leben ist aber nicht kontrollierbar. Von jetzt auf gleich kann sich alles ändern, auch ohne unser Dazutun. Doch dann können wir oft nur noch reagieren, mitschwimmen (wenn wir das noch können oder uns einfach treiben lassen) und hoffen irgendwann wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Selbst agieren, klare Entscheidungen fällen, dorthin gehen wohin wir wollen und nicht abwarten wohin es uns verschlägt, ist der vermutlich gesündere, bessere Weg.

Wenn das Alte nicht mehr funktioniert und das Neue noch nicht da ist, was ist dann die Alternative? Beim Alten bleiben?

Nicht das ewige Machen, das Rotieren im Hamsterrad, das pausenlose Erjagen von Dingen - von dem wir uns versprechen, dass es uns sicher macht - ist das was uns glücklich macht. Das ist nur das Kompensieren von Ängsten. Glück finden wir, wenn wir in die Stille gehen, dem Herzen lauschen und uns von ihm über alle Hindernisse hinweg führen lassen. Wenn wir lernen ihm zuzuhören, den leisen Impulsen zu folgen, die es uns gibt, werden wir finden was wir suchen.

 

Veröffentlicht in Impulse, VGW

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Kathrin 02/13/2020 02:09

Danke für diesen schönen Text. Ich denke viel darüber nach, wie und warum ich die eine oder andere wichtige oder auch nebensächliche Entscheidung in meinem Leben getroffen habe. Warum ich links und nicht rechts gegangen bin. Und ich bin immer noch unglaublich schlecht darin mich zu entscheiden. ;-) Danke und LG aus Kalifornien!

Schütgens, Angelika (Blaufedermond) 02/13/2020 11:29

Liebe Kathrin,
vielen lieben Dank für deinen schönen Kommentar.
Aus der Tatsache heraus, dass ich auch sehr schlecht darin war mich zu entscheiden und ich immer zum Aussitzen neigte, entstand irgendwann dieser Text als ich auf meine Entscheidungen zurückblickte und sie ein wenig analysierte und mich fragte, welchen Argumenten ich gefolgt bin. Erst dabei entdeckte ich das Muster, welches dahinter steckte. Bei mir war es immer die Angst etwas zu verlieren, nie war es Lebensfreude etwas Neues zu gewinnen. Mich führte das in eine komplizierte Lebenssituation, an deren Ende es nur noch genau die Lösung gab, vor der ich immer Angst hatte. Ich musste also da durch, ob ich wollte oder nicht. Hätte ich das vorher gewusst, wären mir Entscheidungen leichter gefallen, denn dann hätte ich alle Fäden in der Hand gehabt.

Inzwischen lernte ich meiner Intution zu folgen und das fühlt sich viel besser an, selbst wenn es manchmal auch schwierig wird.

Ich werde sicher mal bei dir im Blog stöbern kommen.
Ganz liebe Grüße vom Blaufedermond nach Cöllefornia :-)