Gleichgewicht

Veröffentlicht auf von Schütgens, Angelika (Blaufedermond)

Gleichgewicht

Gleichgewicht

Gleichgewicht – wie ist es so damit?

Es ist ein Unterschied ob ich gehetzt durch den Tag renne oder ob ich mich achtsam durch ihn hindurch bewege. Wenn ich achtsam bin, bewusst im Hier und Jetzt und aufmerksam den Moment wahrnehme fallen mir Dinge auf, Begebenheiten, die sonst an mir vorbei liefen.

In den vergangenen Tagen wurde ich mehrfach auf das Thema Gleichgewicht gestoßen. Es häuften sich Kleinigkeiten die ich kaum mehr als Zufall abtun konnte, es sei denn ich nehme Zufall, als das was mir zufällt und zwar aus einen ganz bestimmten Grund, den ich entschlüsseln muss. Es begann damit, dass ich kaum die Füße aus dem Bett aus dem Gleichgewicht kam, weil ich über einen unachtsam abgestellten Schuh strauchelte. Nichts Besonders, das kann immer mal passieren. Kein Drama, eine Viertelstunde später dachte ich nicht mehr daran. Gegen Mittag, ich saß lesend in einem Sessel, fiel ein Steintürmchen, das seit Wochen unberührt auf einer Anrichte steht und das sogar mein drumherum Staub putzen nicht zum Einsturz brachte, plötzlich in sich zusammen. Vielleicht ein sanfter Erdstoß, den ich nicht wahrnahm, das Steintürmchen aber sehr wohl. Trotzdem war das nichts Ungewöhnliches. Abends sah ich mir einen aufgenommenen Filmklassiker an „Karate Kid“ von 1984. Ich stoppte den Film kurz um mir etwas zu holen und als ich ihn weiter laufen ließ sagte Kesuke Miayagi, der Karatelehrer seinem Schüler Daniel LaRusso: „Lernen Gleichgewicht, besser lernen Gleichgewicht, Gleichgewicht gut. Karate gut, wenn Gleichgewicht gut. Gleichgewicht schlecht, keine Chance haben. Du erinnern an Lektion über Gleichgewicht? Lektion nicht nur für Karate allein. Lektion für ganze Leben. Ganze Leben haben Gleichgewicht, dann alles ist besser. Geh und finde Gleichgewicht.“ Noch häufiger kann ich binnen weniger Minuten nicht auf das Wort Gleichgewicht gestoßen werden und irgendwas dämmerte mir. Noch allerdings unbewusst. Als der Film zuende war, sprang ich kurz auf einen anderen Sender auf dem ein Science Fiktion Film lief und just in dem Moment lief sinngemäß folgender Dialog: „Die Waffe ist immer ausgeglichen, der Mensch ist nicht im Gleichgewicht. Ist der Mensch zu eifrig wird er leicht angreifbar für den Feind. Erreicht der Mensch aber sein Gleichgewicht überlebt er den Kampf und findet auch sein Gleichgewicht im Leben!“ Ich schaltete aus und dachte über die seltsame Sychronizität nach.

Was hat das mit mir zu tun? Hat es überhaupt etwas mit mir zu tun? Wie oft und wie dicht brauchte ich das Thema noch, um es wirklich an mich heran zu lassen? Im Rückblick fielen mir einige Situationen ein, die mich in den Tagen zuvor psychisch und physisch aus dem Gleichgewicht gebracht hatten. Ich war umgeknickt als ich auf einen Stein trat, es war mir ein Stapel Bücher aus den Händen gefallen, unerwartete Post verunsicherte mich, eine Mail die nicht kam verunsicherte mich auch. Erst jetzt gestattete ich mir darüber nachzudenken, ob es Botschaften waren, die mir sagten: „Schau mal auf dein Gleichgewicht im Leben.“

Und ja, es gibt eine große Unwucht in meinem Leben, etwas das absolut nicht im Gleichgewicht ist, aber ich kann es nicht ändern, weil es nicht mich allein betrifft. Halt, falsch. Ich könnte es ändern, wenn ich bereit wäre einen Traum loszulassen, aber das bin ich nicht gewillt zu tun.

Das nun ist der unlösbare Konflikt, der Knackpunkt, schaffe ich mein Gleichgewicht, bringt es etwas anderes ins Ungleichgewicht. Das ganze sensible Gefüge geräte ins Wanken, es gäbe so viele Stellschrauben, die neu justiert werden müssten und diese Monster-Aufgabe macht mir Angst.

Was mache ich nun mit der Erkenntnis? Ich beginne mit den kleinen Stellschrauben im Leben und beobachte mein Ungleichgewicht. Möglicherweise haben auch kleine Änderungen größere Wirkungen. Zumindest ist mir jetzt bewusst, dass es ein Ungleichgewicht gibt, das ausgeglichen werden will und das nur, weil mir die seltsamen Zufälle bewusst wurden.

Nachdem mir mein Thema auf dem Silbertablett serviert wurde, werde ich weiter achtsam durch die Tage laufen und hoffen, dass mir auf diesem Weg auch die Lösung der Herausforderung gezeigt wird. Der erste Lösungsansatz zeigte sich kurz drauf in Form eines Besuches, der mein Gleichgewicht fürs Erste wieder herstellte und mir ein positives Zukunftsereignis in Aussicht stellte. In diesem Sinne:

Bleibt achtsam und im Gleichgewicht.

Veröffentlicht in Impulse

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Michael Roschke 04/23/2019 12:50

Liebe Frau Blaufedermond,

Ich denke, es ist am Ende unerheblich, ob das nun Zufall war oder Vorsehung. Es ist Dir dieser im wahrsten Wortsinn merkwürdige Tag mit seinen denkwürdigen Ereignissen und Begegnungen geschehen, Du hast Dir all seine "High-Lights" vergegenwärtigt und zum Anlass genommen, darüber nachzudenken. Und so kann es Dir möglicherweise auch zu Lösungen von Problemen und inneren Konflikten gereichen. Und selbst wenn kaum oder gar nicht, solch Tage mit derart besonderen und außergewöhnlichen Geschehnissen tun unserem Leben gut, weil sie aparte Würze in die fade Alltagssuppe geben. Man wird sich bewußt, dass das Leben auch spannendes, kurioses, unverhofftes, überraschendes, nachsinnenswertes zu bieten in der Lage ist. Soetwas schafft Hoffnung und Zuversicht. Unbestimmt aber spürbar präsent.

Liebe Grüße: Micha

Schütgens, Angelika (Blaufedermond) 04/23/2019 22:16

Stimmt, lieber Micha, du hast recht, solche Ereignisse sind, wenn sie uns auffallen, die Würze im Leben. Sie erreichen ein Innehalten, eine Reflektion und das kann durchaus zu Erkenntnissen führen, manchmal auch zu unerwarteten Lösungen. Das Leben ist immer spannend, weil immer unvorhersehbar. In jedem Augenblick kann es eine unerwartete Wendung nehmen. Das könnte schön Angst machen, wäre die Hoffnung nicht die viel stärkere Kraft. :-)

Liebe Grüße vom Blaufedermond