Blaugold

Veröffentlicht auf von Blaufedermond

[...] Ti-Miru saß zusammengekauert am Eingang der Höhle. Sie wartete, schon seit Stunden. Mu-Urba hatte sie gewarnt: "Geh auf keinen Fall allein in die Höhle. Warte bis ich bei dir bin, aber ich kann auf keinen Fall vor Einbruch der Dämmerung dort sein." Ti-Miru erreichte den Höhleneingang als die Sonne am höchsten stand. Wie gern wäre sie schon hineingegangen, Geduld war nicht gerade ihre Stärke, doch sie nahm Mu-Urbas Warnung ernst. Es waren schon genug ihres Volkes, bei dem Versuch die blaue Elfenträne ans Licht zu holen, gestorben, sie sollte die letzten sein denen es gelingen konnte.

 

Sie rutschte noch ein wenig weiter in das dichte Wurzelwerks eines Wurmfarns, um unentdeckt zu bleiben. Eine Legende des Alten Volkes besagte das allein die blaue Elfenträne, zur rechten Zeit ans Licht geholt und im Silberlicht des Vollmondes, in der Mitte des Dunkelsees versenkt, den Untergang des Elfenvolkes verhindern konnte. Seit einigen Generationen wurde ihr Volk schwächer und schwächer. Der Raubbau den die Erdenmenschen in den Kristallhöhlen betrieben, schwächte ihre Lebenskraft. Ihre Magie begann das Elfenvolk zu verlassen und schon lang waren sie nicht mehr fähig, sich gegen die dunklen Mächte zu wehren. Zauberkraft und Magie verschwanden nach und nach.

 

Während Ti-Miru wartete und darüber nachgrübelte was sie tun sollte, kämpfte sich Mu-Urba durch das Tal der Dornen. Sein treuer Begleiter Ma-Wie, das Mauswiesel, lief voraus um den Weg zu erkunden. Würde die Elfenmagie noch wirken hätte Mu-Urba Menschengröße annehmen können und das dichte Brombeergestrüpp wäre ihm nicht so sehr Hindernis gewesen, auch hätte er den Weg in kürzerer Zeit hinter sich bringen können. Alle Hoffnung setzte das Volk der Elfen auf Mu-Urba und Ti-Miru. Sie waren die Beiden Jungelfen die der alte Weise Fa-Lanta vom Westberg prophezeit hatte. Nur sie sollten gemeinsam genug Kraft und Stärke besitzen um das Blaugold, die versteinerte Elfenträne, aus dem Berg zu holen. Allein in ihr war die Macht, der Zauber und die Magie in konzentrierter Form enthalten, die das Elfenvolk vor dem Untergang retten konnte.

 

Mu-Urba hatte von Fa-Lante das Ritual der Weihung empfangen und den Auftrag die Magie zu bergen und zu entfesseln. Es war der letzte Versuch der ihnen blieb, denn die Prophezeiung sagte auch, dass wenn sie es nicht schaffen würden, das alte Elfenvolk unwiederbringlich dem Untergang geweiht war.

 

Unermüdlich schlug er sich den Weg frei. Wut und Verzweiflung gaben ihm Kraft. Ma-Wies kleine wendige schlanke Gestalt huschte durch jede noch so kleine Lücke und zeigte Mu-Urba, der nur unwesentlich größer war, den Weg. Seine Sorge galt Ti-Miru, denn er kannte sie gut. Er hoffte sie würde auf ihn warten und nicht im Alleingang ihr Glück versuchen. Fa-Lanta hatte sie gewarnt, nur zu zweit wäre der Erfolg möglich. Es brauchte im richtigen Moment gleichzeitig die weibliche und die männliche Energie ...

 

Ti-Miru war eingeschlafen, der lange Weg bis zur Höhle hatte sie ermüdet. Unbemerkt hatte sich ein Zitronenfalter auf einer rosa Walderdbeerblüte niedergelassen und bewachte ihren Schlaf. Ringsumher flüsterte der Wald und sang die alten Weisen der Natur, zartes Glockenblumengeläut begleitet die uralten Geschichten. [...]

 

© AS 6/2009





 

 

Veröffentlicht in Kurztexte

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