Warum Rosen Dornen tragen

Veröffentlicht auf von Schütgens, Angelika (Blaufedermond)

 

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Warum Rosen Dornen tragen

 

Es klagte einst ein Stachelschwein:

Ach, warum muss es nur so sein,

dass ich so spitze Stacheln hab

und mich kaum einer leiden mag?

 

Wär ich 'ne Rose, das wär schön,

manch einer blieb bewundernd stehn,

wenn ich in Schönheit voll erblüht,

erwärmt ich Herz und auch Gemüt.“

 

Stand vor der Rose, seufzte und klagte,

bis das die Rose plötzlich sagte:

Du hübsches kleines Stachelschwein,

was klagst du so über dein Sein?

 

Du bist beweglich, kommst vom Fleck,

ich steh verwurzelt hier am Weg

und kommt ein Mensch, oh, glaub es mir,

dann stünd ich lieber nicht mehr hier.

 

Denn jedes Mal, da fürcht ich mich,

dass einer sagt: Ich breche dich.

Beschwerlich kann das Leben sein

oft täuscht uns nur der schöne Schein.“

 

Das Stachelschwein hatte keine Eile

und dachte nach für eine Weile.

Dann nickte es mit dem Kopf ganz leise

und sprachtbedächtig und auch weise:

 

Du liebe Rose, hör mir zu,

bilden wir ein Team im Nu.

Zieht deine Schönheit Bewund'rer an,

man unsere Freundschaft bestaunen kann.

 

Und kommt er her, um dich zu brechen,

werde schmerzhaft ich ihn stechen.

Du schenkst mir Glanz und ich dir Schutz,

so sind wir beide uns von Nutz.“

 

Die Rose fand das sehr gescheit

und war zur Freundschaft gern bereit.

Sie lebten beide viele Wochen,

so wie sie alles gut besprochen.

 

Bis das der Winter kam mit Macht.

und seine Kält' hat mitgebracht.

Der Frost, das war der Rose Tod,

das Stachelschwein litt große Not.

 

Doch eines wusste es ganz genau:

Im Frühling ich nach der Rose schau.

Auch wenn die Knospen, noch ganz klein,

werden wir bald wieder beisammen sein.“

 

Und jeder der die beiden zusammen sah,

wusste, dass die Freundschaft besonders war.

Nach vielen, vielen Jahren, ach,

das Stachelschwein wurd krank und schwach.

 

Damit die Rose stets ans Stachelschwein denke

machte es ihr einen Stachel zum Geschenke.

Danach war es fort, das Stachelschwein

und die Rose war wieder ganz allein.

 

Im folgenden Jahr, als die Rose sich streckte,

ihr Stängel voller stachliger Dornen steckte.

Sie trug sie mit Stolz, war wehrhaft und schön,

konnt die Dornen als Zeichen der Freundschaft sehen.

 

Brichst du heute eine Rose und piekt dich ein Dorn,

so trifft dich verspätet des Stachelschweins Zorn.

So tragen Rosen Dornen seit jener Zeit

als Zeichen der Freundschaft bis in Ewigkeit.

 



Veröffentlicht in Lyrik

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♥♥LG Mathilda 09/22/2014 23:28

Das ist aber ganz herzig geschrieben.

Lieben Dank ♥ Mathilda

Schütgens, Angelika (Blaufedermond) 09/23/2014 09:59



Danke schön.


 


Liebe Grüße vom Blaufedermond