Der Weg

Veröffentlicht auf von Schütgens, Angelika (Blaufedermond)

Der Weg
Wir rollen durch unser Leben,
wie Glasmurmeln auf leichten Schrägen.
Wir stoßen auf ein Hindernis
und werden abgelenkt.
Zwangsläufig ändert sich der Weg,
mal mehr, mal weniger.
Vielleicht bleiben wir sogar irgendwo stecken,
bis das Hindernis sich auflöst.
Ist es zu groß, zu schwer, zu fest, kann es sein,
wir verharren dahinter bis in alle Ewigkeit.
Wir sind zu träge, um uns selbst zu befreien.
Wir brauchen einen Anstoß,
einen Ruck, eine Erschütterung, ein Leid, einen Schmerz,
etwas das uns bewegt.
Oft finden wir es gut, uns nicht bewegen zu müssen.
Wir genießen die Starre, das Nichtstun.
Wir richten uns in ihr ein, weil es bequem ist.
Doch der Schatten, der auf uns fällt
wird immer dunkler.
Es wird kälter.
Aber je dunkler, kälter es wird, umso unbeweglicher werden wir.
Wir spüren bald, dass es schmerzt,
wenn uns jetzt etwas von außen bewegt.
Doch die neue Bewegung
lässt all den angesammelten Schmutz von uns abfallen.
Unsere Farben treten wieder hervor
unsere neue Transparenz reflektiert das Licht,
das nun wieder auf uns trifft
und wir strahlen auch aus uns heraus.
Selbst wenn der Anstoß weh tat,
der Weg ein anderer und vielleicht sehr unbequem wurde,
alle Bewegung und ein unsicheres Leben ist besser,
als das stille, ängstliche Verharren im Schatten
und in der Dunkelheit der Seele,
die längst wusste, dass wir uns bewegen sollten/müssten.
Wir warten auf Sicherheit, die es nicht gibt.
Jede Entscheidung birgt ein Risiko,
das Steckenbleiben ebenso wie ein neuer Weg.
Doch wir sind keine Murmeln, die zur Untätigkeit verdammt sind,
wenn wir in eine Sackgasse geraten.
Wir können uns alleine befreien
und doch warten wir oft bis wir den Holzhammer
des Schicksals zu spüren bekommen,
das uns wieder in die Bewegung bringt,
um dorthin zu gelangen, wo wir frei sind
und uns weiter entfalten können.
Wo wir, frei von unseren Begrenzungen,
unsere Individualität und Kreativität leben können.
Jede Farbe, die im Licht erstrahlen darf,
macht das Leben, unsere Welt ein bisschen bunter.

Veröffentlicht in Kurztexte, VGW

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